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Volksabstimmung 20. März 1921

Im Entwurf des Friedensvertrags mit Deutschland vom 7. Mai 1919 sahen die Artikel 87 und 88 vor, dass 15 Tage nach Inkrafttreten des Vertrags die Rechte zur vollen Souveränität über Oberschlesien innerhalb der im Entwurf festgelegten Grenzen vom Reich (Deutschland) auf Polen übergehen. Von diesem Konzept rückte der Oberste Rat jedoch ab. In der endgültigen Fassung des Vertrags, die die Vertragsparteien am 28. Juni 1919 unterzeichneten, lautete der Text von Artikel 88: ...

„In einem Teil Oberschlesiens werden die Einwohner aufgerufen, sich durch Abstimmung darüber zu äußern, ob sie den Anschluss an Deutschland oder an Polen wünschen”

Der Protest Polens

Die „Schlesischen Aufstände” waren ein Protest gegen die Bedingungen des Vertrags, die eine Volksabstimmung unter der Bevölkerung der drei am weitesten südlich gelegenen Gebiete vorschrieben. Der erste Aufstand brach Mitte August 1919 aus und endete mit einer Niederlage für Polen (sein Zentrum war Rybnik, er dauerte acht Tage, vom 16. bis 24. August 1919). Er zog die Ankunft einer alliierten Garnison aus britischen, französischen und italienischen Truppen nach sich.

Der zweite Aufstand brach ebenfalls in den Sommermonaten aus, im Jahr 1920, und dauerte vom 19. bis 25. August. Er fiel zeitlich mit der entscheidenden Phase des Polnisch-Sowjetischen Krieges zusammen. Die Lage im Abstimmungsgebiet wurde angespannt. Die polnischen und deutschen Abstimmungskommissariate widmeten sich der Organisation von Propaganda, und keine Seite war bei den Mitteln wählerisch. Nach dem Ende des II. Aufstands schätzte man die polnischen Chancen bei der bevorstehenden Abstimmung optimistischer ein als vor dem Aufstand.

Die oberschlesische Volksabstimmung fand am 20. März 1921 auf Grundlage von Artikel 88 des Versailler Vertrags statt. Sie umfasste den Regierungsbezirk Opole ohne die Kreise Grodków, Nysa und Niemodlin, ohne den westlichen Teil des Kreises Prudnik sowie ohne einen Teil des Kreises Racibórz. Die Entscheidung für die Abstimmung war das Ergebnis eines Kompromisses gegenüber dem besiegten Deutschland und ging davon aus, dass die Abstimmungsgebiete mehrheitlich von polnischer Bevölkerung bewohnt waren. Stimmberechtigt waren 1 221 274 Personen. An der Abstimmung nahmen 1 190 637 Berechtigte teil (97,5%).

  • Für Polen stimmten: 479 365 Berechtigte (40,3%).
  • Für Deutschland stimmten: 707 393 Berechtigte (59,4%).

Die Stimmenverteilung in unserer Gegend war sehr bemerkenswert, deshalb dürfte die Wiedergabe der Abstimmungsergebnisse von Interesse sein:

Ort, amtlicher NameOrt, polnischer NameStimmen gesamtFür PolenFür Deutschland
KattowitzKatowice28 5313 90022 774
BeutenBytom42 99010 10129 890
GleiwitzGliwice41 9498 55832 029
LeobschutzGłubczyce10 371609 896
OppelnOpole22 9301 09820 816
KrappitzKrapkowice2 526922 369
ProskauPrószków1 7811511 587
Schimnitz Kl.Zimnice M.27685187
OchotzOchodze464121338
RogauRogów Op.67283569
VogstdorfWójtowa Wieś738305421
WinauWinów34625484
ZlonitzŹlinice44535880
BoguschutzBoguszyce338178149
Pfarrei Chrząszczycegesamt2 2369341 302
einzelne Dörfer:
ChrzumczutzChrząszczyce351116235
ZlattnikZłotniki352174178
DometzkoDomecko687220467
GorrekGórki387164223
Nowa Kuźnia1728092
ChrzowitzChrzowice1086048
FollwarkFolwark17912059

Die tabellarische Übersicht ist sehr aufschlussreich. Die hervorgehobenen Orte sind benachbarte Dörfer an der Oder, in allen überwogen die Stimmen für Polen. Die Abstimmungsergebnisse unterzeichneten:

  • Oppeln (Opole), 24. April 1921
  • die Vertreter:
  • Italiens: A. De Marinis
  • Frankreichs: Le Rond
  • Großbritanniens: H.F.P. Percival

Nach den oben angeführten Tabellen und den Gesamtergebnissen für ganz Schlesien war die Volksabstimmung eine Niederlage für Polen. Es zeigte sich, dass die Ergebnisse vom 20. März 1921 trotz der Mehrheit der sich zu Polen bekennenden Bevölkerung und der „spontanen” Schlesischen Aufstände zugunsten Polens (I, II) für Wojciech Korfanty (1873-1939) ungünstig waren. In dieser Lage beschloss er, Schlesien mit Waffengewalt einzunehmen, und löste in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921 den III. Aufstand aus.

Seine Reden inspirierten rund 40 000 Arbeiter und Partisanen, von denen viele Mitglieder der Polnischen Militärorganisation Piłsudskis waren, sie griffen zu den Waffen. Wojciech Korfanty erklärte sich zum Diktator und übernahm die volle Verantwortung für den Ausbruch des Aufstands. Die Meinungen über den Sinn des III. Aufstands sind geteilt. Es zeigte sich, dass die Führung an keine gesellschaftlichen Veränderungen dachte, die Versprechen waren demagogisch, es ging darum, sich Popularität in Oberschlesien, in Polen und in Westeuropa zu sichern. Der Aufstand dauerte bis zum 5. Juli 1921. Die bewaffneten Gefechte, die in die Legende eingehen sollten, wurden vom 21. bis 25. Mai in der Umgebung der Góra Świętej Anny (Annaberg) geführt und zwei Tage lang, vom 4. bis 5. Juni, an den Ufern des Kanał Kłodnicki.

Korfantys Worte:

... „niemand anders als ich gab das Signal zum Ausbruch des dritten Aufstands, am Vorabend der Konferenz des Botschafterrats in London, auf der man uns nur Pszczyna und einen Teil des Kreises Rybnik zusprechen wollte.”

... „Als Polen Schlesien erhalten hatte, hat mir niemand auch nur mit einem Wort für meine Arbeit gedankt, niemand hat mir ein einziges Wort der Anerkennung ausgesprochen”

Die Abtrennung der schlesischen Industrie von ihrem traditionellen deutschen Markt erwies sich als katastrophal in ihren Folgen, was die Kommunisten und Sozialisten vorausgesehen hatten, die sich nicht am III. Aufstand beteiligten.

Infolge geheimer Verhandlungen teilte die Internationale Kommission (Botschafterrat) am 20. Oktober 1921 das Abstimmungsgebiet in zwei Teile. 61% des gesamten Abstimmungsgebiets sollten bei Deutschland bleiben, während der größere Teil des Kohlenreviers mit Katowice (Kattowitz) und Chorzów (Koenigshutte) an Polen überging. Der historische Akt der Vereinigung des Kreises Katowice mit Polen vollzog sich vom 17. bis 20. Juni 1922.

Śląsk Opolski mit Follwark blieb bei Deutschland.

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