Ansichten von Folwark: Gebäude, Teich, Felder und Sonnenblume
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Das große Hochwasser A.D. 1997

Tagebuch vom Juli 1997 · Wielka Powódź

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Meine persönlichen Beobachtungen und Notizen während des Hochwassers

Wir leben in einer Zeit des Triumphs des menschlichen Verstandes, der Mensch hat in diesen Tagen „Roboter-Automaten“ auf den Planeten Mars geschickt. Zugleich haben die jüngsten Ereignisse die Schwäche des menschlichen Verstandes gezeigt – die Unfähigkeit, vorauszusehen.

In den ersten Julitagen des Jahres 1997 suchten Regenfälle Schlesien heim, die für Hunderttausende von Menschen, darunter auch die Einwohner unseres Dorfes, zum Drama wurden. Die Regenfälle sind, wie Wissenschaftler warnten, die Folge eines leichtfertigen Umgangs mit dem Planeten Erde. Die Wissenschaftler haben daran keinen Zweifel. Das Abholzen der Wälder, der Raubbau an den natürlichen Ressourcen, Experimente mit der Natur – all das rächt sich mit Klimaanomalien, und es steckt darin keine Grausamkeit der Natur und auch keine Strafe Gottes, wie andere denken (Gott bestraft nicht ein Volk, er bestraft den Menschen individuell). Jeder von uns weiß: „Nur die Natur hält sich an das Gesetz.“ Auch wir, die Einwohner von Folwark, sind nicht ohne Schuld. Jeder von uns hat schon einmal einen Plastiksack vom Dünger auf dem Feld liegen lassen, eine Plastikflasche von Getränken ins Gebüsch geworfen, etwas Heizöl oder Öl oder die Jauche in den See geschüttet. Das Wasser, das in unsere Höfe kam, hat unbarmherzig gezeigt, wie viel Öl und Heizöl in unseren Höfen versickert war – „Wahrheit und Öl kommen immer an die Oberfläche“. Das Hochwasser wurde zu einer Überraschung für alle. Die Natur hat ihre Kraft gezeigt und warnt uns, sie zu respektieren!

6.–7. Juli 1997 (Sonntag, Montag)

Wir schauten auf die Bildschirme unserer Fernseher, wie Głuchołazy überflutet wurde, wir sahen die Dramen in Nysa, in Ratibor, im Tschechischen Schlesien.

Montag, 9 Uhr. In Głuchołazy wurden alle Brücken beschädigt, in einem Teil der Stadt funktionieren die Telefone nicht. Die Einwohner von Jarnołtówek und Pokrzywna evakuieren nach Norden. 16 Uhr. Der Fluss Oppa hat den Alarmstand um 2,5 m überschritten. Niemand dachte jedoch daran, dass dies alles auch uns, die Einwohner von Folwark, erwartet.

8. Juli 1997 (Dienstag)

Die „Gazeta Wyborcza“ meldet unter der Überschrift „Das Hochwasser kommt“ … Die Hochwasserwelle auf der Oder nähert sich erst, was erwartet uns? In Oppeln erreichte die Oder den absolut höchsten verzeichneten Stand von 604 cm im August 1813. Ich schaue auf die Karte: Der See in Folwark und die Oder haben einen normalen Stand auf einer Höhe von 152 m ü. NN. Die ul. Szkolna liegt auf 160 m ü. NN. Einfach gerechnet fehlen bis zu meinem Haus noch 2 m. Ich bin ruhig, ich weiß, dass die Oder 1813 noch nicht reguliert war. Der Deich wurde in unserem Gebiet erst 1860 gebaut, und er ist fast 8 m hoch. Er wird halten! Man prophezeit, dass der Fluss diesen Stand am Donnerstagmorgen überschreiten kann; am Montag stieg der Pegel in Chałupki innerhalb von drei Stunden um 102 cm. Und bei uns ist das Wasser in der Oder hoch, nähert sich langsam dem Deich, im See ist der Stand so mittel, bei der ul. Stawowa kann man das Brückchen noch ruhig überqueren, das Leben im Dorf verläuft normal, wir bereiten uns auf das Kirchweihfest in unserer Pfarrei vor (13.7.97).

9. Juli 1997 (Mittwoch)

Am Morgen erreichte das Wasser in der Oder die Deiche und steigt. Uns erreicht die Nachricht, dass gegen 7 Uhr morgens in Boguszyce der Deich gebrochen ist und das Wasser über die Felder in unsere Richtung fließt. Gegen 11 Uhr war ich an der Oder und betrachte die Strömung, ruhig, ohne Emotionen. Ich gehe nach Hause, auf der ul. Lipowa herrscht schon Betrieb, Traktoren bringen lebendes Vieh nach Wójtowa Wieś, Winów und in andere höher gelegene Orte. Einige aus dem bedrohten Przewrócie bringen ihr Vieh in die Höfe an der ul. Wiejska, tragen wertvollere Gegenstände auf die Dachböden. Gegen 15 Uhr schwappt die erste Welle über die Felder schon nach Folwark. Die Einwohner hinter dem Teich bringen in Eile den Rest des Viehs weg. Die Straße neben Kochanek (dem Schulzen) wird schnell unpassierbar. Der Letzte (Kulik Gerard) bezwingt mit Mühe, auf dem Fahrrad schwankend, die über die Straße fließende Strömung. Noch fahren Traktoren (mit Mühe und großem Risiko), um etwas zu retten. Das Wasser nähert sich dem Hof von Staffa und Chudala und überflutet langsam, aber stetig die ul. Wiejska. Herr Wala wartet auf seiner Veranda (er lehnt die Hilfe ab, die ihm Feuerwehrleute und Einwohner anbieten, raucht nervös Zigaretten und hofft, dass das Wasser bis an die Treppe kommt und nicht weiter steigt). Bei Józef Kornek trägt die ganze Familie in großer Eile die Habe ihres Lebens auf den Dachboden und lehnt die Evakuierung ab. Er bittet, später zu kommen, denn er rettet noch einen Teil der Einrichtung. Das Feuerwehrboot bringt nur seine 83-jährige Mutter und die Kinder. Der Herr Pfarrer kommt, der Verkehr auf der ul. Wiejska wird immer größer, aber ihre Bewohner geraten nicht in Panik, sie glauben den Informationen noch nicht, dass das Wasser um weitere 2 m steigen wird.

Das Wasser auf der ul. Wiejska beginnt langsam in Richtung ul. Stawowa zu fließen, wo es in den See abfließt. Die Bewohner der ul. Wiejska beginnen, die Öffnungen der Keller mit Säcken zu verstopfen, damit das Wasser sie nicht überflutet (manche mauern sie zu). Frau Malikowa (ul. Wiejska 7) lädt die Reste von Möbeln und Geräten auf Anhänger (und, o Ironie des Schicksals, ich rate ihr, die Topfblumen höher auf das Mäuerchen zu stellen, damit sie nicht überflutet werden). Bei Wieszala herrscht Betrieb, sie tragen die Sachen der Tochter (Suchan, ul. Wiejska 1) zu sich, ul. Wiejska 3, und die auf dem Platz versammelten landwirtschaftlichen Geräte bringen sie auf den Hof von Langosz (ul. Wiejska 8). Herr Józef Kiwus (ul. Wiejska 2) hat die Tür zur Wohnung auf etwa 30 cm Höhe zugemauert (wieder rate ich ihm, noch 30 cm aufzumauern und Sandsäcke davorzulegen).

Ich kehre schon auf dem Traktor mit Tadeusz Wieszala in Richtung Kapelle zurück, denn das Wasser fließt in einem breiten Strom über die Straße in den Garten von Kasperek (ul. Wiejska 4). Ich habe keine Uhr, vielleicht sind 15 Minuten vergangen, seit ich trockenen Fußes zu Kiwus ging und auf dem Traktor zurückkam. Ich blieb noch einen Moment bei Tadeusz (sie tragen noch Sachen weg). Das Wasser beginnt, die Wohnung von Malik zu überfluten – ich sehe Tränen in den Augen und Ohnmacht. Die Bewohner der geraden Straßenseite der ul. Wiejska beginnen in Eile, ihre Sachen auf die Dachböden zu tragen und führen das lebende Vieh höher hinauf. Die ul. Wiejska ist langsam überflutet (vielleicht ist eine Stunde vergangen). Wir „bewundern“, wie das Wasser die Folienzelte in den Gärten mitnimmt, wie bei Szmechta die Scheiben im Gewächshaus bersten. Stanisław Murowski wurde wütend, weil ein Traktor mit Karacho von der Oderseite kommt und eine Wasserwelle über den Bordstein schwappt und das frisch zugemauerte Kellerfenster nassspritzte. Evakuierung von Józef Kornek mit Frau um 21 Uhr abends.

Das Wasser beginnt, die Höfe zu überfluten, ich bin bei Stanisław Murowski, wir sitzen noch auf der Bank und debattieren vor der Treppe zur Wohnung. Das Wasser steigt weiter, ich beruhige ihn, dass sich der Stand gleich einpendeln wird. Ich gehe nach Hause. Es dämmert, der Verkehr wird immer größer, wir alle warten auf die Stabilisierung des Wasserstands. Die Polizei erscheint und ruft die Bewohner der ul. Szkolna auf, sich auf das Verlassen der Häuser vorzubereiten, denn die Hauptwelle komme erst noch. Niemand glaubt es, obwohl jeder große Angst hat. Es gibt keine Panik, große Nervosität, einige Frauen weinen, weil sie zu begreifen beginnen, was zu geschehen beginnt, andere scherzen (man muss die Gärten nicht gießen). Schon dunkel, vielleicht 23 Uhr, vielleicht später. Niemand denkt an Schlaf, denn das Wasser steigt weiter. Die Bewohner der ul. Wiejska retten noch, was sich forttragen lässt (bei Laksy müssen sie eine Mauer einreißen, um mit dem Vieh zu evakuieren). Ich bin furchtbar müde, obwohl ich bisher nichts getan habe, ich habe gegafft wie viele andere. Ich sehe, dass viele „Ertrinkende“ umfallen und nur noch auf den Moment warten, in dem sich der Stand einpendelt. Das ganze Leben hat sich in die ul. Szkolna verlagert.

10. Juli 1997 (Donnerstag, nach Mitternacht)

Ich gehe mich hinlegen. Ich frage noch, wer bei uns schlafen möchte. Ich habe 2 freie Zimmer, es gibt keine Interessenten. Ich legte mich hin und schaltete das Radio „Opole“ ein, das ununterbrochen Meldungen sendet, das Fernsehen sendet auch, aber die Informationen sind so unglaubwürdig – unwahrscheinlich – und, was am schlimmsten ist, eine Information widerspricht der anderen. Ich habe den Eindruck, dass nur unser Folwark vom Wasser überflutet wird, ich versuche einzuschlafen, kann nicht. Es kommt die Meldung, dass die Straßen von Oppeln 3 bis 4 m hoch überflutet werden, die Einwohner sollen sich auf das Verlassen der Häuser vorbereiten (Insel Pasieka, Zaodrze, ul. Koszyka). Ich stehe auf, gehe nach unten, den Wasserstand prüfen, der weiter steigt. Von Oppeln her nähert sich der Wasserstand gefährlich der ul. Szkolna. So ist es, alles wird klar – das Wasser ist an die Deiche in Winów gekommen, und dort gibt es keinen Abfluss, bei uns beginnt es sich aufzustauen. Wie hoch? Ich habe Angst!

Es ist wohl schon nach Mitternacht. Jasiu Pawleta erscheint und sagt, er komme aus Oppeln, und dort passiere nichts, kein Alarm, die Leute schlafen ruhig, alles normal, das Wasser hoch, aber es gibt keinen Betrieb. Ich glaube es nicht. Wir setzen uns in sein Auto und fahren. Hinter Winów biegen wir zum See „Gemeinde“ ab, dort stehen ein Bagger und zwei Pkw, die Fahrer schlafen in den Autos, Jasio setzt rückwärts zurück, wir fahren weiter. Hinter der Kirche in Szczepanowice biegen wir in die ul. Krapkowicka ab, weiter in Richtung SDH hinter der „Oder“ halten wir an der ul. Spychalskiego, wir steigen auf den Deich und nichts, ein paar Feuerwehrleute achten darauf, ob Wasser durch den Damm sickert, einige andere füllen daneben in Ruhe Sandsäcke. Bis zur Oberkante fehlen etwa 1,3 m, damit es überläuft. Wir fahren noch zum Rondo, ruhig, sehr wenig Verkehr auf den Straßen, wir wenden und fahren über die ul. Prószkowska nach Hause. Ich bin etwas ruhiger, gehe aber nicht mehr schlafen.

Warum gibt es in Oppeln keinen Alarm? Warum keine Sirenen, die die Bewohner des linken Oderufers wecken, schließlich wird das, was in Folwark geschieht, zum Bruch der Deiche führen, und das heißt, dass das ganze Zaodrze überflutet wird. Vielleicht regen wir uns hier in Folwark zu sehr auf, und jeden Augenblick pendelt sich der Stand ein und beginnt dann langsam zu sinken. Ich weiß es nicht, niemand weiß es!

Das Wasser steigt weiter, die ul. Szkolna wird von Oppeln her immer mehr überflutet (der Stand steigt um etwa 20 cm pro Stunde). Es beginnt, sich dem Haus von Józef Iwański zu nähern. Jetzt werden die Bewohner der ul. Szkolna nervös. Es dämmert schon, man sieht, wie hoch das Wasser auf der ul. Wiejska steht. Jeden Augenblick werden die Fenster im Erdgeschoss überflutet (man sieht noch etwa 10 cm) bei Józef Kornek (hinter dem Teich). Ich weiß nicht, welche Uhrzeit es war, aber uns erreichte die Nachricht, dass die Deiche in Oppeln gebrochen sind und das Wasser Wójtowa Wieś und die Stadt überflutet. Mein Gott, welche Erleichterung! Jetzt beginnt das Wasser vielleicht zu sinken. Keiner von uns dachte an die Tragödie, die dort beginnt, schließlich werden jene mehr überrascht sein als wir, es ist noch Nacht, bei uns begann es nachmittags, und wie viel Drama es gab. Aber so ist der Mensch, er denkt nur an sich, fremder Schmerz tut ihm nicht weh. Einige kamen jedoch zur Besinnung, schließlich ist mein Vieh in Wójtowa Wieś. Wir haben keine Verbindung mehr, die Telefone funktionieren nicht mehr, von Polizei keine Spur, die Feuerwehr ist auch irgendwo verschwunden. Was wird, wenn der Rettungsdienst gerufen werden muss.

Das Wasser steigt weiter, ich beginne, Angst zu bekommen, ich hole die Wasserwaage und messe, wie viele Meter bis Szkolna 12 fehlen, etwa 1,7 m! Die Radiomeldungen sagen, dass noch eine 2 m hohe Welle (die letzte) kommt! Ich weiß nicht, wie spät es war, wir setzen uns ins Auto und fahren in Richtung Oppeln, um zu sehen, wie die Lage dort ist. Hinter Winów fließt das Wasser über die Straße, weiter ist Schluss mit der Fahrt. Auf der rechten Straßenseite, zur Oder hin, sind in Winów alle Häuser überflutet. Ich sehe, ein Sessel schwimmt vorbei, darauf ein paar Sachen und eine Plastiktüte.

Wir kehren um, fahren in Richtung Chrzowice, hinter Folwark blicken wir auf ein „Meer“. Das Haus von Herrn Wala sieht man nur ein paar Zentimeter, Kochanek bis unters Dach überflutet, ich mache ein paar Fotos, vielleicht gelingen sie. Bis Groszowice sieht man nur Wasser – ein „Meer“, eine Menge verschiedener Dinge treibt mit der Strömung. Wir fahren nach Hause. Der Mittag naht, die Telefone funktionieren schon lange nicht mehr, hoffentlich wird niemand krank, hoffentlich gibt es keinen Unfall, denn der Rettungsdienst kommt nicht durch, und Hubschrauber retten die Oppelner von den Dächern. Das Schlimmste liegt wohl noch vor uns. Das Wasser scheint sich eingependelt zu haben, alle halbe Stunde prüfe ich seinen Stand, ich bin ruhiger. Aber wir warten auf die zweite Welle. Wir beginnen, uns zu organisieren, jemand dachte an Brote, Tee, es gibt Kaffee (Agnieszka Chudalowa von der ul. Lipowa). Frau Krysia verteilt an die Geschädigten Essensbons. Aus Prószków bringt man gegen Abend Futter für das Vieh (Herr Ochota aus Górki), das „LEBEN“ auf der ul. Szkolna beginnt sich zu normalisieren. Wir hören die Radiomeldungen, warten, warten und warten. Die ersten „Schaulustigen-Touristen“ tauchen auf, es kommen auch Familien zu den Geschädigten und Nichtgeschädigten, besorgt wegen fehlender Informationen über Folwark. Radio „Opole“ meldet, was in Oppeln geschieht, über unsere Tragödie gibt es keine Nachricht, Hubschrauber fliegen nur über uns hinweg, vielleicht sieht es von oben nicht so schlimm aus?

11. Juli 1997 (Freitag)

Wasserstand unverändert. Keine Verbindung, wir haben Brot und vorerst eigene Vorräte. Agnieszka Chudala und Danuta Zmarzły machen das Frühstück aus privaten Vorräten. Das Gemeindeamt finanziert Mittagessen bei „Maja“. Spontan bringen Unbekannte verschiedene Lebensmittel, es sieht so aus, als würden wir irgendwie durchkommen. Wir warten, der Wasserstand ändert sich (steigt oder fällt um 2–3 cm). Wir organisieren eine Wache, die Radiomeldungen berichten von Plünderern auf Schlauchbooten.

12. Juli 1997 (Samstag)

Am Abend gegen 21 Uhr sprengt man den Deich in Winów (Gemeinde). Man hört zwei schreckliche Knalle. Hoffnung, dass das Wasser endlich zu sinken beginnt. Die Hilfe bei der Verpflegung ist gut, wir haben immer mehr Spenden. Am Abend nach der Messe (Kirchweihmesse, gehalten von unserem Janek) gibt es bei „Maja“ Kuchen, gebacken von Agnieszka und den Frauen von der ul. Szkolna. Wieder sehr viele „Touristen“ (ganze Familien). Wir warten. Für den Pfarrer mache ich eine Liste der vom Hochwasser Betroffenen. Die Liste wird in den nächsten Tagen ergänzt, denn heute fehlen mir die Daten.

13. Juli 1997 (Kirchweih-Sonntag)

Agnieszka Chudalowa hat das Frühstück auf dem „Marktplatz“ vorbereitet. Zur Kirchweihmesse in die Pfarrei fuhren nur wenige. Das „Leben“ aller Einwohner hat sich auf den „Marktplatz“ verlagert, die Kreuzung der ul. Lipowa – Szkolna, hier kann man etwas essen und etwas trinken. Sehr viele Touristen „besuchen“ uns. Der Gemeindevorsteher ist mit seiner Frau da (die die Einwohner von Folwark nicht kennen, weshalb sie sich Vorwürfe gegen ihren Mann anhören muss). Gegen 15 Uhr will Janek Smolin (Kola) mit Kollegen nach Przewrócie, beim Einsteigen ins Schlauchboot bekommt er einen epileptischen Anfall, wir rufen den Rettungsdienst über das Handy eines zufälligen „Schaulustigen-Touristen“ (zum Glück, denn es gibt keine andere Verbindung). Der Gemeindevorsteher Bernard Lelek spricht mit der Feuerwehr in Prószków, die den Rettungsdienst verständigt. Nach 15 Minuten steht der Kranke auf, weitere Hilfe ist unnötig, die von Herrn Reiner Kochanek gerufene Krankenschwester kommt, nach einigen Minuten fährt der Rettungsdienst vor (sie kamen über Prószków), wir klären die Lage, also fahren sie wieder. Viele auf der Westseite der ul. Wiejska gehen durch die Scheunen auf den Hof und machen die ersten Aufräumarbeiten. 21.45 Uhr: Der Wasserstand ist um 197 cm gesunken. Die ul. Wiejska ist noch auf ganzer Länge überflutet. Antoni Smolin läutet abends gegen 18 Uhr in der Kapelle. Das Leben geht weiter auf der ul. Szkolna – Lipowa bei der Kapelle von 1675. Unsere „Wache“ macht den ersten „Rundgang“.

14. Juli 1997 (Montag)

Agnieszka Chudala und Danuta Zmarzły haben schon das Frühstück vorbereitet (vorerst weiter aus privaten Vorräten). Brot gibt es, Kaffee, Tee, einige Brote, niemand hat Hunger. 9.00 Uhr Wasserstand (minus 2,19), also innerhalb von 10 Stunden nur um 22 cm gesunken. Sehr langsam! Sie werden nervös! Die ersten Spenden von Menschen guten Willens aus der Pfarrei treffen ein. Vom Pfarrer erhielten wir die Kirchweih-Kollekte (107 450 410 alte Złoty + 50 Millionen aus unserer Caritas, zusammen 157 Millionen alte Złoty) – SEHR VIEL! Ein Komitee tritt zusammen (Agnieszka Chudala, Danuta Zmarzły, Czura Rozwita) und teilt die erste Beihilfe für die Geschädigten auf. Wir legen 50 neue Złoty (500 000 alte) für jeden Geschädigten fest, unabhängig vom Vermögen und vom Grad der Überflutung. Eine Ausnahme bildet die Familie Kozłowski, die die erste private Beihilfe für Alkohol ausgab (schon am Samstag). Ebenso Eryk Kornek, der seit Samstag bis heute, da ich dies schreibe, am 16. Juli 1997, noch nicht nüchtern geworden ist. Den Kozłowskis wurde aus diesem Geld eine Schuld im Laden von 90 Złoty beglichen und 50 Złoty von der privaten Beihilfe abgezogen. Es wurde beschlossen, dass ihnen etwaige künftige Beihilfen nicht in bar ausgezahlt werden (das Komitee übernimmt die Kosten für den Kauf von Lebensmitteln im Laden). Herr Żur und Hubert Kiwus verzichteten auf die Beihilfe (die Auszahlungsliste mit Unterschriften liegt bei Frau Rozwita, die das Geld verwaltet). Desinfektionsmittel werden gebracht, die Ersten aus Przewrócie besichtigen ihre überfluteten Häuser auf Schlauchbooten. 15.30 Uhr Wasserstand (minus 2,27, also 8 cm seit 9 Uhr).

Eine makabre Nachricht kommt: In Oppeln wurde aus der Oder ein Sarg mit Leiche gefischt, vielleicht ist das wieder ein Gerücht? 18.30 Uhr (Wasserstand minus 2,33 cm vom Höchststand der Überflutung). Wir sind relativ organisiert, jeder weiß, wo er was und wen suchen muss. Wir haben zu essen und zu trinken. Wir ergänzen die Hausvorräte. Spenden treffen ein (entschieden zu viel Kleidung und zu wenig Reinigungsmittel, Handschuhe, Gummistiefel, Bürsten, Pulver). Die Gemeinde hat versprochen zu liefern.

15. Juli 1997 (Dienstag)

Morgens Frühstück wie üblich, wir haben schon Eingemachtes, Wurst aus Górki, die der Pfarrer vom Baron mitgebracht hat. Die Bewohner der ul. Wiejska betreten ihre überfluteten Häuser und beginnen die ersten Aufräumarbeiten (es sieht schrecklich dort aus, erzählen sie), es fehlen Reinigungsmittel, Gummistiefel, Handschuhe, Desinfektionsmittel. 15 Uhr: Der Gemeindebetrieb aus Prószków brachte 1 Tonne Kalk aus Górażdże. 15.30 Uhr: Der Pfarrer schickte 120 kg Seife (Paste), gebracht von Herrn Sadło aus Chrząszczyce. 15.45 Uhr: Vom Gemeindeamt bringt man Reinigungsmittel (Domestos, 25 Flaschen) und 8 Paar Gummistiefel. 16 Uhr: Bei Reiner Kochanek hat sich das Heu erhitzt, es besteht Brandgefahr, also wirft er es hinaus und vergiftet sich mit Gasen (Methan). Wir rufen um Hilfe, die Feuerwehr und einige junge Leute helfen abwechselnd (je 15 Minuten) bei der Beseitigung der Gefahr. Alles endet glücklich. 18.30 Uhr: Zwei Lieferwagen (Żuki) bringen Spenden der Einwohner von Domecko (Kleidung, Lebensmittel, Getreide, Pulver). Aus ihren Augen kann ich lesen, dass sie es aufrichtig tun, nicht zur Schau, sie sind verlegen, wenn ich mich bei ihnen bedanke. 19 Uhr: großes Festmahl bei MAJA im Restaurant. Alle Einwohner sind zu Kuchen und Kirchweihgebäck aus Złotniki eingeladen. Eine Delegation von Frauen aus Złotniki brachte außer Kuchen und Kaffee einen vollen Lieferwagen Gartenprodukte (Salat, Kartoffeln, Blumenkohl und vieles andere). Vom Baron aus Górki wieder eine Lieferung Grützwurst, ich weiß nicht einmal, wer sie brachte. Die ul. Wiejska ist teilweise trocken (von Murowski bis zu Cygan). Man sieht schon das Ausmaß der Verluste. Ich prüfe das DFK-Gebäude, es war genau bis zur Fensterbank überflutet. Die Kapelle (von der Basis gemessen) bis auf 205 cm Höhe. Auf der ul. Szkolna ist weniger Verkehr. Die meisten Hochwassergeschädigten sind in ihre Häuser zurückgekehrt und werfen die Habe ihres Lebens auf die Höfe, dann laden sie sie auf Schubkarren und bringen sie zur ul. Szkolna in den Container. Noch ist niemand geimpft, ich fürchte eine Krankheit, niemand denkt daran, dass das Wasser sehr verseucht ist. Nachmittags kommt die Information, dass man sich impfen lassen kann, es gibt Impfstoff, es gibt Reinigungsmittel, es gibt Gummistiefel, wenig Handschuhe.

16. Juli 1997 (Mittwoch) – schon eine Woche liegt hinter uns

Morgens zwei Personen auf dem „Marktplatz“, Gerhard Kurpierz und Piotr Smolin (Rentner), der Rest arbeitet schon. Wir haben Hilfe beim Aufräumen aus Górki. Das Militär bringt noch Gummistiefel, 14 Paar. Es kommt noch irgendeine andere Hilfe, aber ich weiß nicht, woher, denn sie fuhren direkt zur Kapelle. Unsere tapferen Feuerwehrleute, die von Anfang an bei uns sind, haben heute viel zu tun, die Wiejska ist fast schon ohne Wasser. Gegen 12 Uhr mache ich einen Rundgang. Wasser noch von Kania, von Süden, und von Norden bis Wieszala. Überall wird schon auf Hochtouren gearbeitet. Feuerwehr, Einwohner und Frauen (und ausnahmsweise ganz junge Mädchen) aus Górki, jetzt viel Betrieb auf der ul. Wiejska, durchs Wasser sieht man auch die große Arbeit bei Kornek hinter dem Teich und in Przewrócie. Ich sehe mir jedes Haus von innen an, eine Tragödie für seine Bewohner. Schließlich lässt sich nichts verwenden, die Möbel zerfallen (bekanntlich Sägemehl), die Polster sind mit verseuchtem schmutzigem Wasser durchtränkt, die Wände müssen neu verputzt werden, die Holzböden sind verzogen, die Täfelung ebenfalls. Alle tragen alles auf Anhänger hinaus, ohne darauf zu achten, ob man etwas dalassen sollte. Das kann man nicht dalassen, das muss so schnell wie möglich verbrannt werden, um keine Seuche aufkommen zu lassen. Kleidung, Haushaltsgeräte, Möbel, Fußböden, Tapeten, Teppiche, Topfblumen (ich sah Weihnachtsschmuck), Lampen, zerschlagenes Geschirr, ALLES müssen sie wegwerfen, ES BLEIBEN KAHLE, NASSE, STINKENDE, VERSCHMUTZTE, RISSIGE WÄNDE. Verzogene Fenster, verzogene Türen (erst konnte man sie nicht öffnen, jetzt nicht schließen). Der „Baufachmann“ wird sagen: Das ist der sogenannte Rohbauzustand (wenn er sauber und trocken wäre). Die Gärten zerstört, die Zäune zerbrochen, überall voller Müll aus dem gesamten Lauf der Oder (wir haben viel Holz – fremdes, unseres trieb in Richtung Meer). Schluss für heute, zu viele schreckliche Anblicke. Das Wasser im See steht noch etwa 2 m über dem Normalstand.

17. Juli 1997 (Donnerstag)

Ein Vertreter der Deutschen Minderheit bringt 1000 neue Złoty, privat für die Hochwasseropfer gesammelt. Der Pfarrer ist da mit Spenden, Seife (auf den Seifenstücken mit Filzstift geschrieben „WIR LIEBEN EUCH“, „WIR FÜHLEN SEHR MIT EUCH“). Ich bitte Krysia, das auf Video festzuhalten! Im Haus von Krysia legen wir in dieser Runde (Gemeindevorsteher Bernard Lelek, Pfarrer Dr. Krystian, Krystyna Kiełbasa vom Gemeindeamt und ich) den weiteren Verlauf der Hilfe fest. Die Gemeinde hat kein Geld mehr für Mittagessen (und wir haben zusätzlich Feuerwehrleute und Helfer aus Nachbardörfern). Der Pfarrer schlägt vor, es aus Mitteln der Caritas zu finanzieren – einverstanden. Gestern war die Sitzung des Sejm. Kommentare dazu – schade um die Worte. Die meisten Abgeordneten haben keine Ahnung, was hier in Schlesien geschieht. Tragisch, sie führen schon Wahlkampf!! Das ist gewöhnliche, ordinäre politische Propaganda.

Wiktor Iwański bekam vom Schulzen eine Rasierklinge, läuft aber weiter unrasiert herum. Die Sache mit den Brettern bei J. Kasperek wurde geklärt, Rozkosz aus Boguszyce war da und sah sie auf dem Dachboden bei Langosz. Mittags setze ich mit dem Schlauchboot nach Przewrócie über, mit Krysia und den Kindern (Walecko). Krysia „filmt“, ich mache einen „Besuch“ in jedem „Gehöft“. Alle zeigen mir ihre Häuser nach dem Hochwasser. Gestern besichtigte ich die ul. Wiejska – ich sah Schreckliches. Hierher kommt man nur mit dem Schlauchboot, aber die Zerstörungen sind deutlicher und viel größer als auf der ul. Wiejska (mit Ausnahmen: Kochanek, Wala, Malik, Suchan, Wieszala, Kiwus, Kasperek – sie hatten keine Möglichkeit, wohin sie sich zurückziehen konnten, andere konnten durch ihre Scheunen auf die ul. Szkolna fliehen). Hier sieht man genau, wozu das Element fähig ist. Auf den Feldern hinter den Häusern zählte ich drei große Anhänger auf dem „Dach“. Umgekippte landwirtschaftliche Maschinen, herausgerissene Tore, eingestürzte Mauern, riesige Haufen von Möbeln und (verschiedenen) Geräten, vermischt mit Mist. Ludwik Kochanek führt mich durch die „Wohnung“ (er heizt die Zentralheizung, um die Mauern schneller zu trocknen), überall geborstene Scheiben, herausgerissene Türen. Geborstene Scheiben sehe ich auch bei anderen. Józef Kornek verteilt auf dem Anhänger den Mist, den sie auf dem Hof und in der Wohnung zusammengetragen haben (sein Sohn lädt auf). Bei Kulik und Walecki waschen sie das Tischgeschirr, das wie durch ein Wunder gerettet wurde. Der Humor begleitet die Verzweiflung: (Oti Kulikowa) zeigt mir ein Huhn und eine Katze, die das Hochwasser im Haus überlebt haben und heute gerettet wurden. Überall entsetzlicher Gestank und furchtbare Zerstörungen.

Ich kehre von der Insel Przewrócie an Land zurück. Hier erfahre ich (es ist 17 Uhr), dass die zweite Welle naht. Das Radio berichtet von Niederschlägen im südlichen Teil Schlesiens, wir sollen uns wieder auf die Evakuierung vorbereiten. Ruhig informiere ich alle, die Aufräumarbeiten zu unterbrechen und sich auf die nächste Welle vorzubereiten. In Przewrócie bricht Panik aus, und alle kehren in Eile an Land zurück. Dann meldet eine Durchsage, dass es erst jetzt zu regnen beginnt und die Hochwasserwelle in 24 Stunden kommt und kleiner sein wird. Niemand hat mehr Lust aufzuräumen. Wir warten. Es beginnt zu regnen. Allgemeine Verzweiflung und Entmutigung. Die Leute gehen nach Hause. Die Feuerwehr ist da, sie haben Funkverbindung – sie versprachen, bis zum Morgen zu wachen. Wir gehen schlafen.

18. Juli 1997 (Freitag) – Tag der Staatstrauer

Während des Hochwassers sind im Land (seit Beginn) schon über 40 Menschen ums Leben gekommen. Es regnet, manchmal heftig. Am Morgen versammeln sich die Einwohner auf der ul. Szkolna, es sind einige Helfer aus Górki da (gestern waren sie aus Złotniki). Vertreter der Gemeinde sind da, sie wollen eine Liste der „Ertrunkenen“ (Futterzuteilung). Wir haben die ersten Unstimmigkeiten bei der Verteilung, wir erstellen ein genaues Verzeichnis des geretteten Viehs – die Futterverteilung halten wir an. 14 Uhr: Wir haben den ersten Hilfstransport aus Deutschland (zwei Autos). Das Radio ERFT (UKW 105,8, UKW 91,4) bringt uns Spenden seiner Hörer. Sie haben über ihr Radio einen Aufruf gestartet und sind heute angekommen, sie brachten: Bettwäsche, Reinigungsmittel, Lebensmittel, Süßigkeiten für die Kinder, Nährmittel und viele andere Dinge (sogar Spielzeug für Kinder). Wir danken! Krysia ging mit ihnen zum Mittagessen zu „Maja“. Die Spenden lieferten: Herr Herbert Sitatzki, Henryk Josek, Brygida Kondziela. Wir danken!!!

Der Schulze Józef Kochanek überreichte mir ein Fax, das von Oppeln an das Gemeindeamt in Prószków geschickt wurde (handschriftlich). Für die Nachwelt schreibe ich es wörtlich ab:

Oppeln, den 18.07.97 – FAX
An den Vorsitzenden des Gemeinde-Hochwasserstabs in Prószków
Es wird mitgeteilt, dass wegen der Konzentration von Kräften und Mitteln auf die Reparatur der Deiche im Gebiet Winów, Oppeln und Metalchem die Deiche in Ihrem Gebiet nicht repariert werden. Was Sie können, machen Sie in Eigenregie. Obiges wird auf Anweisung des Woiwodschafts-Hochwasserkomitees in Oppeln mitgeteilt.
Unleserlicher Stempel und unleserliche Unterschrift (lesbar nur: Bolesław oder Przemysław Skiba).

Was kann man zu einer solchen Information sagen!? Schließlich haben wir auf diesem Gebiet keinerlei Erfahrung. Hätten sie wenigstens geschrieben: Organisieren Sie Leute, wir, das Woiwodschafts-Hochwasserkomitee, schicken einen erfahrenen Pionier der Armee oder einen anderen Fachmann für Deichbau, dann könnten wir uns irgendwie retten, aber in dieser Lage!? Fazit: Wieder haben sie die SCHLESIER vergessen. Im Fernsehen Polsat heißt es, dass uns morgen eine neue Welle erwartet, es ist 16 Uhr. Es regnet weiter. Es stinkt schon nicht mehr so. 17.15 Uhr, ich war auf der Wiejska, ich traf niemanden, in Przewrócie ist auch niemand zu sehen, das Wasser in den Gärtchen steht weiter bei 3/4. Von Oppeln her hört man die Arbeit schwerer Technik, wahrscheinlich bauen sie einen neuen Deich. Ich gehe nach Hause, es regnet weiter. 17.45 Uhr im Live-Fernsehen informiert der Oberbürgermeister von Oppeln, dass „diesmal die Einwohner von Oppeln rechtzeitig gewarnt werden und uns die Welle nicht überraschen wird“. Und wir, die Einwohner von Folwark? Vor einem Moment war die Polizei mit einer Durchsage da.

19. Juli 1997 (Samstag)

Der Wasserstand ändert sich nicht, die Aufräumarbeiten sind unterbrochen, alle warten auf die nächste Welle, die angekündigt wird. Es regnet weiter, manchmal heftig. Die Behörden und die für die Wasserwirtschaft in Schlesien Verantwortlichen beginnen wohl schon zu denken und lassen das Wasser richtig aus den Becken ab. Diesmal – vielleicht – wird es nicht so eine Tragödie geben, wenn die angekündigte Welle kommt. Um 19 Uhr haben wir wieder ein Treffen in der Bar (Kaffee und Kuchen aus Złotniki). Anwesend ist Frau Doktor Lewicka, sie unterweist die Einwohner, wie man sich vor einer Epidemie von Typhus, Bauchtyphus, Salmonellen schützt (es besteht große Gefahr). Mit Verspätung kam Frau Róża aus Złotniki und brachte ein älteres Ehepaar aus Hamm (Deutschland) mit, das auf ihre telefonische Information über unsere Lage spontan eine Geld- und Sachspendensammlung für unseren Ort organisiert hatte.

Die Spenden sammelte der Pfadfinderstamm „Don Bosco“ der DPSG aus Hamm, und das Ehepaar Maria und Heiner Ernst brachte sie. Sie brachten in bar 2800 DM sowie Gummistiefel, Desinfektionsmittel und andere Chemikalien für 1000 DM. In ihrem Ort richteten sie ein Sonderkonto für diesen Zweck ein, auf das – so hoffen sie – weitere Spenden eingehen werden (sie brachten außerdem auf ein Stück Papier geklebt 15 DM von einem 14-jährigen Mädchen mit, ihre Ersparnisse aus der Sparbüchse). Es war ein sehr bewegender Abend!

20. Juli 1997 (Sonntag)

Es regnet nicht, aber dunkle Wolken hängen über uns. Der Wasserstand hat sich seit gestern nicht verändert. 8.30 Uhr – wie üblich – Messe (heute in der Intention von Gerard Kurpierz zu seinem 70. Geburtstag). Die Messe hielt ein Franziskaner, der unseren in Deutschland weilenden Pfarrer vertritt. Da unsere Kapelle ausgeschaltet ist (Lager für Hochwasserspenden), wurde die Messe in der „Świętkownia“ gehalten, vor dem Bild der Muttergottes von Tschenstochau, das nach dem Hochwasser aus der Kapelle zum Trocknen hierher gebracht wurde.

21. Juli 1997 (Montag)

Der DFK Domecko brachte 1535 Złoty und 10 DM. Am Morgen fand eine Wallfahrt nach Polska Nowa Wieś statt, angeführt vom Vertreter des Pfarrers – einem Franziskaner. Es regnet mit Unterbrechungen. Wasser unverändert, die Gärtchen überflutet. Wir warten auf die angekündigte Welle. 21 Uhr – die Welle ist noch nicht gekommen.

22. Juli 1997 (Dienstag)

Das Wasser steigt sehr langsam, fast unmerklich. Es regnet nicht mehr. Man kündigt aber das Kommen der Welle an. Am Abend fuhr ich mit der Polizei nach Winów, um ein Gerücht zu prüfen (man schüttet den Abfluss für unser Wasser in die Oder zu). Ich prüfte es – nicht wahr, das Wasser beginnt, nach einem weiteren Anstieg um 1 m auf der Höhe des Winów-Kanals in die Oder abzufließen.

23. Juli 1997 (Mittwoch)

Morgens Wetter wie im Sommer zu dieser Zeit. Das Wasser überflutet langsam, aber stetig – von der Südseite von Folwark – die ul. Wiejska. Am Abend gegen 20.30 Uhr fließt das Wasser neben Murowski in einem ziemlich breiten Strom von der ul. Wiejska in den Teich, dessen Wasser ebenfalls bis zur ul. Wiejska gekommen ist. Wir alle warten auf die weitere Entwicklung (irgendein Militärfahrzeug mit Zivilisten und ein paar Feuerwehrleute kamen, sahen sich alles an und fuhren wieder). Die Obrigkeit ist jetzt übervorsichtig.

Wichtige Mitteilung für die Einwohner von Folwark. 18.15 Uhr, der Schulze kommt mit der Information: In der heutigen Sitzung wurde beschlossen und verabschiedet:

  • Pro Familienoberhaupt werden 300 (neue) Złoty ausgezahlt.
  • Für jedes Familienmitglied werden 100 Złoty ausgezahlt.
  • Erlass der „Crus“ für die Jahre 1997 und 1998 (sie müssen nicht zahlen).
  • Das Gemeindeamt verschickt keine Zahlungsbescheide für die Steuer.
  • Das Gemeindeamt übernimmt die Wasserverbrauchskosten der überfluteten Gebiete.

Protokoll der Übergabe von Spenden für die Hochwasseropfer aus Folwark

  • 1. Daninów Wola – 55 Säcke (13 Getreide, 11 Kartoffeln)
  • 2. Bochlewo – Getreide 23 Säcke, 24 Säcke Kartoffeln
  • 3. Władzimirów – 13 Säcke Getreide, 4 Säcke Kartoffeln
  • 4. Kazimierz Biskupi – 16 Säcke Kartoffeln, 17 Säcke Getreide, 6 Pakete Waschpulver
  • 5. Komorów – 950 kg Getreide, 400 kg Kartoffeln
  • 6. Anielewo – 2410 kg Getreide, 400 kg Kartoffeln
  • 7. Cząstków – 1650 kg Getreide, 850 kg Kartoffeln
  • 8. Tokarki – 1000 kg Getreide
  • 9. Dobrosołów – 2150 kg Getreide, 1150 kg Kartoffeln + 1 Anhänger Heu

Insgesamt 8160 kg Getreide, 2800 kg Kartoffeln.

Ortschaft Dobrosołowo, Gemeinde Kazimierz Biskupi. Transport: Firma „Tojan“, Henryk Durkiewicz, Konin. Fahrer: Józef Kawecki. Die Spenden wurden von Einwohnern von Folwark an der Ecke ul. Szkolna – Lipowa entladen. Verteilung nach der Liste, die das von den Hochwassergeschädigten gebildete Bürgerkomitee aufgestellt hatte. Beaufsichtigt von Rudolf Zmarzły. Folwark, im September 1997.

Fotos

Überflutete Scheune
So sah Folwark in den ersten Stunden nach dem Eintreffen der Hochwasserwelle aus – dem Deichbruch in Boguszyce. Diese überflutete Scheune gehört zum Hof der Familie Kania, heute Paweł Nikodem. Hinter der Scheune sehen wir Przewrócie im Wasser, eher unter Wasser.
Blick auf das überflutete Folwark
Blick geradeaus: In der Mitte des Fotos liegt unser See – der Dorfteich – jetzt etwas größer. Links das weiße Gebäude ist das Anwesen von Herrn D. Giza an der ul. Wiejska. Rechts Przewrócie.
Das Wasser reichte bis zum Garagendach
Das Wasser war schon um etwa 2 Meter gesunken, es reichte bis zum Dach der Garage von Malik an der ul. Wiejska, und in Przewrócie bei Herrn J. Kornek floss es in die Fenster des Zimmers im Obergeschoss, wohin sie alle ihre wichtigsten Sachen gebracht hatten.
Blick auf Folwark von Norden
Blick auf Folwark von Norden, von der Straße in Richtung Oppeln. Hinter dem Wasser sieht man die Schornsteine des Zementwerks Groszowice, heute gibt es solche „Bilder“ nicht mehr – das Zementwerk wurde abgebaut. Und dieses winzige, bis zum Dach überflutete Häuschen ist das Haus von Herrn Józef Kiwus (gestorben am 17.12.2003 im Alter von 81 Jahren). Heute wohnt sein Sohn darin.
Anwesen von Józef Kornek in Przewrócie
Das Anwesen von Herrn Józef Kornek in Przewrócie – Za Stawem. Das Foto entstand schon nach dem Abfließen der Hauptwelle. An der Wand des Gebäudes sieht man Spuren des Wassers, das durch die Fenster im Obergeschoss ins Zimmer floss.
Hauptkommandostelle an der Kapelle
Straßenkreuzung im „Zentrum von Folwark“, ul. Szkolna – ul. Lipowa. Neben der Kapelle befand sich während des Hochwassers die „Hauptkommandostelle“. Die Stelle war über einen Monat rund um die Uhr besetzt, es war immer jemand da. Hier versammelten sich alle, hier wurden alle Ereignisse bekannt gegeben. Hier konnte man sich stärken, Kaffee oder Tee trinken. Hier gab es in den ersten Tagen Frühstück für alle Bedürftigen, wurden die ersten Spenden verteilt. An der Kommandostelle konnten Kinder Süßigkeiten von guten Menschen bekommen, hier wurden alle Informationen über die Lage entgegengenommen und die Hochwassergeschädigten informiert – mit einem Wort: der „Stab“.
Landmaschinen an der Kreuzung
Straßenkreuzung ul. Szkolna – ul. Lipowa. Landmaschinen und Traktoren mussten hier parken. In der Mitte im Hintergrund sieht man ein kleines, bis zum Dach überflutetes Häuschen, das Anwesen der Familie Wala an der ul. Wiejska.
Überfahrt zum Haus in Przewrócie
Die Überfahrt zum Haus in Przewrócie.
Spendentransport
Heute brachten sie einen sehr großen Spendentransport, Getreide und Kartoffeln für die geschädigten Landwirte. Das Bürgerkomitee hat eine Liste der Bedürftigen erstellt, gleich folgen das Entladen und die Verteilung.
Blick vom Dach an der ul. Rolna
Foto vom Dach des Anwesens der Familie Żur (früher Hubert Kiwus), ul. Rolna. In der Mitte ist nur das Dach des Hauses der Familie Wala zu sehen. Links davon das Haus von Herrn Józef Kochanek – unserem Schulzen – Fenster sind nicht mehr zu sehen.
Hochwassergeschädigte warten auf das Sinken des Wassers
Hochwassergeschädigte von der ul. Wiejska warten auf den Gehwegen der ul. Szkolna auf das Sinken des Wassers. Das Ehepaar Kornek und Herr Tadeusz Wieszala (mit Mütze).
Häuser des Schulzen Kochanek und der Familie Wala
Noch ein Blick vom Dach auf die Häuser des Schulzen Kochanek und der Familie Wala, ul. Wiejska.
Blick von meinem Dach, ul. Lipowa 7
Blick von meinem Dach an der ul. Lipowa 7 in nordöstlicher Richtung. Der zweite Parkplatz auf der ul. Szkolna, diese Mähdrescher stehen auf dem Anwesen der Familie Smolin. Im Hintergrund das bis zum Dach überflutete Haus von Herrn Józef Kiwus, ul. Wiejska.
Das Wasser blieb an der ul. Szkolna stehen
Das Wasser kam nur bis zur ul. Szkolna, bis zum Anwesen von Józef Iwański, und blieb stehen. Nun warteten wir darauf, dass es in das Flussbett der Oder zurückkehrt.
Übergabe der Spenden aus Hamm
Auf dem Foto Frau Róża Malik (heute Bürgermeisterin der Gemeinde Prószków), in der Mitte Herr Heiner Ernst und ich, Rudolf Zmarzły. Der Moment der Übergabe des Zettels mit den aufgeklebten 15 DM von dem Mädchen aus ihren Ersparnissen.

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